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Fachgespräch

Artenland Schweiz – Fachgespräch mit Dr. Gianluca Giuliani

Gesprächspartner/in
Dr. Gianluca Giuliani
Funktion
Agrarökonom und Mitbegründer von Flury&Giuliani, Projekt Klimabauern Graubünden
Datum des Gesprächs
09.09.2026

Hauptursache des verzögerten Handelns zur CO2 - Reduktion

Langfristige Investitionen, hohe Kredite und staatliche Anreize binden viele Betriebe an ihre heutige Produktionsweise. Eine schnelle Umstellung ist deshalb oft kaum möglich und erfolgt hauptsächlich bei Hofübergaben, wenn ohnehin über die künftige Ausrichtung des Betriebs und anstehende Investitionen entschieden wird.

Grösster Hebel und höchste Wirkung eines Spenderfrankens

Der grösste Hebel liegt in der Agrarpolitik: Direktzahlungen sollten stärker an Klima-, Resilienz- und Biodiversitätsleistungen gebunden werden. Spendengelder wirken am besten, wenn sie gezielt Pionierbetriebe und die Startphase vielversprechender Projekte mit nachvollziehbarem Innovations- oder Demonstrationswert unterstützen.

Gesprächszusammenfassung

Im Fachgespräch von Artenland Schweiz sprechen wir mit Dr. Gianluca Giuliani über wirksame Ansätze für Landwirtschaft, Biodiversität und Klimaschutz.

Landwirtschaftliche Betriebe sind komplexe Systeme. Welche Klimamassnahmen sinnvoll sind, hängt deshalb vom Standort, der Betriebsstruktur und den bisherigen Investitionen ab. Es gibt nicht den einen grossen Hebel, sondern viele Einzelmassnahmen, aus denen die Betriebe die für sie passende Kombination auswählen können. Das Bündner Punktesystem unterstützt diesen Ansatz: Es bewertet die Massnahmen nach ihrer Wirkung und belohnt sinnvolle Kombinationen. Die verschiedenen Förderstufen wirken zusätzlich motivierend und werden von den Bauern gut aufgenommen. Ein ähnliches Punktesystem wäre auch für Biodiversitätsleistungen denkbar. Dabei sollten möglichst bereits vorhandene Ansätze (z.B. das Biodiversitätspunktesystem von IP-Suisse), Daten und Kontrollen der Direktzahlungen genutzt werden.

Wichtig ist zudem eine breitere Sicht auf Selbstversorgung und Biodiversität. Selbstversorgung bedeutet nicht nur, möglichst viele Kalorien oder Proteine zu produzieren. Auch fruchtbare Böden, Saatgut, Wissen und Verarbeitungskapazitäten müssen in der Schweiz erhalten bleiben. Gleichzeitig sollte die Konkurrenz zwischen der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln verringert werden. Auf nicht ackerfähigen Flächen, insbesondere im Berggebiet, aber auch in anderen agrarisch geprägten Regionen, bleibt die raufutterbasierte Tierhaltung jedoch sinnvoll.

Eine vielfältige Produktion macht die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Klima- und Marktrisiken und verhindert, dass Wissen verloren geht. Auch kleine Betriebe und Pionierhöfe können dazu wichtige Beiträge leisten, indem sie neue Lösungen erproben und ihre Erfahrungen weitergeben. Bei Dürren und ähnlichen Ereignissen sollte der Bund nicht regelmässig nachträglich Sonderhilfen oder verbilligte Futterimporte gewähren, weil dies Vorsorge und Anpassung unattraktiv macht. Stattdessen sollte er die Widerstandsfähigkeit der Betriebe fördern, besonders bei Hofübergaben und neuen Investitionen.

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