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Fachgespräch

Artenland Schweiz – Fachgespräch mit Michael Töngi

Gesprächspartner/in
Michael Töngi
Funktion
Nationalrat, Grüne Partei
Datum des Gesprächs
27.07.2026

Hauptursache des Biodiversitätsverlustes

Zu geringes politisches Gewicht der Biodiversität gegenüber anderen Interessen, verstärkt dadurch, dass ihr Verlust für Bevölkerung und Entscheidungsträger oft nicht unmittelbar wahrnehmbar ist.

Grösster Hebel, höchste Wirkung eines Spendenfrankens

Eine gezielte wissenschaftliche Untersuchung zu einer bislang vernachlässigten, politisch relevanten Fragestellung finanzieren und deren Resultate im richtigen politischen Moment in einen konkreten, mehrheitsfähigen Reformvorschlag übersetzen.

Gesprächszusammenfassung

Im Fachgespräch von Artenland Schweiz sprechen wir mit Dr. Robert Huber über wirksame Ansätze für Landwirtschaft, Biodiversität und Klimaschutz.

Michael Töngi ist Historiker, Nationalrat der Grünen aus dem Kanton Luzern und Vizepräsident der Grünen Schweiz. Er gehört seit 2018 dem Nationalrat an.

Aus politischer Sicht besteht ein zentrales Problem darin, dass der Verlust der Biodiversität für viele Menschen weit weniger unmittelbar wahrnehmbar ist als etwa die Folgen des Klimawandels. Entsprechend schwierig ist es, diesem Thema gegenüber konkurrierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen genügend politisches Gewicht zu verschaffen.

Zusätzliche allgemeine Informationskampagnen oder Faktenblätter für Politiker versprechen nur begrenzte Wirkung, weil politische Entscheidungsträger mit Informationen stark überlastet sind. Wirkungsvoller können neue, wissenschaftlich robuste Erkenntnisse sein, insbesondere wenn sie eine bisher wenig beachtete Problematik sichtbar machen und klare politische Konsequenzen aufzeigen.

Für kleinere Organisationen ist deshalb eine klare thematische Positionierung wichtiger als eine breite Palette kleiner Aktivitäten. Besonders aussichtsreich ist eine eng umrissene Fragestellung, die bisher von anderen Akteuren kaum bearbeitet wird und bei der neue Evidenz einen relevanten Beitrag zur politischen Diskussion leisten kann. Politische Einflussnahme sollte zudem zum richtigen Zeitpunkt erfolgen: besonders wichtig sind die parlamentarische Beratung und die Arbeit der zuständigen Kommissionen, nachdem eine Vorlage die Vernehmlassung durchlaufen hat. Erfolgreiche Vorschläge müssen mehrheitsfähig sein und neben ökologischen auch wirtschaftliche und praktische Folgen berücksichtigen. Veränderungen des Konsumverhaltens basierend auf individuellen Entscheidungen reichen allein nicht aus, um eine nachhaltigere Produktion von Nahrungsmitteln zu unterstützen.

Entscheidend sind politische Rahmenbedingungen, welche ökologisch erwünschtes Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten erleichtern oder verbindlich vorgeben. Für einen kleinen Verein liegt die grösste Chance deshalb darin, wissenschaftliche Evidenz, einen klar definierten politischen Ansatzpunkt und eine gezielte Ansprache der entscheidenden Akteure miteinander zu verbinden.

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