Fachgespräch
Artenland Schweiz – Fachgespräch mit Rebecca Knoth-Letsch
- Gesprächspartner/in
- Rebecca Knoth-Letsch
- Funktion
- Umweltwissenschaftlerin und Geschäftsführerin von Vision Landwirtschaft
- Datum des Gesprächs
- 17.07.2026
Hauptursache des Biodiversitätsverlustes
Politische und finanzielle Fehlanreize, insbesondere eine nicht standortgerechte Intensivierung der Landwirtschaft mit zu hohen Tierbeständen, Nährstoffüberschüssen und hohem Flächendruck.
Grösster Hebel, höchste Wirkung eines Spendenfrankens
Nicht einzelne Biodiversitätsflächen finanzieren, sondern politische Rahmenbedingungen verändern: fundierte politische Arbeit, Vernetzung und Allianzen auf Bundesebene stärken, damit biodiversitätsschädliche Fehlanreize in der Agrarpolitik abgebaut werden.
Gesprächszusammenfassung
Rebecca Knoth-Letsch sieht die Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes weniger in fehlendem Wissen als in politischen und wirtschaftlichen Fehlanreizen.
Obwohl die Schweiz über Fachwissen, Monitoring, Biodiversitätsförderflächen und Naturschutzinstrumente verfügt, haben andere Interessen politisch häufig höheres Gewicht. Besonders problematisch seien Anreize für eine intensive Tierhaltung, die nicht mehr an die lokal verfügbare Futtergrundlage gebunden ist. Importiertes Futter führt zusätzliche Nährstoffe ins System; hohe Tierbestände verstärken damit Stickstoffüberschüsse und Überdüngung, was die Biodiversität erheblich beeinträchtigt. Gleichzeitig fördern Investitionshilfen, Grenzschutz und andere agrarpolitische Instrumente teilweise Produktionsstrukturen, die langfristig hohe Tierbestände festschreiben. Standortgerechte Tierhaltung bleibt aus Sicht von Vision Landwirtschaft sinnvoll, insbesondere auf Grasland, das nicht für den Ackerbau geeignet ist. Die Tierzahl sollte sich jedoch stärker an der regionalen Futtergrundlage orientieren. Technische Verbesserungen bei Düngung und Ressourceneffizienz sind hilfreich, können aber ein grundsätzliches Nährstoffüberschussproblem nicht lösen.
Der entscheidende Hebel liegt deshalb auf der politischen Ebene, wo Subventionen, Direktzahlungen, Investitionshilfen und regulatorische Rahmenbedingungen festgelegt werden. Statt einzelne Biodiversitätsflächen oder lokale Projekte zusätzlich zu finanzieren, empfiehlt Vision Landwirtschaft, Wissen, Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit und eine stärkere politische Interessenvertretung für die Natur aufzubauen. Besonders wirksam könnten gut vorbereitete parlamentarische Veranstaltungen, Vernehmlassungen und Allianzen sein, die bisher wenig diskutierte Fehlanreize sachlich und parteiübergreifend auf die politische Agenda bringen.