Fachgespräch
Artenland Schweiz – Fachgespräch mit Dr. Robert Huber
- Gesprächspartner/in
- Dr. Robert Huber
- Funktion
- Agrarökonom ETH
- Datum des Gesprächs
- 24.08.2026
Haupttreiber des Biodiversitätsverlustes
Landnutzungsänderungen und Klimawandel gehören zu den übergeordneten Ursachen. Innerhalb der Landwirtschaft beeinträchtigen insbesondere Nährstoffüberschüsse die Qualität von Lebensräumen. [1]
Grösster möglicher Hebel für einen Spendenfranken
Ansätze erproben, die öffentliche Fördermittel wirksamer machen können: erreichte Qualität gezielter honorieren, Wirkungen besser messen und Massnahmen über Betriebsgrenzen hinweg koordinieren. [2–5]
Gesprächszusammenfassung
Im Fachgespräch von Artenland Schweiz sprechen wir mit Dr. Robert Huber über wirksame Ansätze für Landwirtschaft, Biodiversität und Klimaschutz. Dr. Robert Huber ist Agrarökonom und Dozent an der ETH Zürich mit Schwerpunkt auf Agrarpolitik, politischen Anreizsystemen und der Frage, wie landwirtschaftliche Rahmenbedingungen wirksamer und nachhaltiger gestaltet werden können.
Biodiversität in Agrarlandschaften: Ursachen und wirksame Hebel
Der Rückgang der Biodiversität hat mehrere Ursachen. Landnutzungsänderungen, die Zerschneidung und Versiegelung von Lebensräumen sowie der Klimawandel sind wichtige übergeordnete Treiber. Innerhalb der Landwirtschaft beeinträchtigen insbesondere Nährstoffüberschüsse die Qualität bestehender Lebensräume. Deshalb greift es zu kurz, nur einzelne Agrarumweltmassnahmen zu betrachten; auch Entwicklungen im Agrar- und Ernährungssystem beeinflussen die Biodiversität. [1]
Unterschätzt werden häufig die Qualität und die räumliche Lage von Biodiversitätsflächen. Zusätzliche Flächen allein genügen nicht, wenn ihre ökologische Qualität gering ist oder geeignete Lebensräume nicht miteinander verbunden sind. Eine Untersuchung der Schweizer Biodiversitätsbeiträge zeigt für Zahlungen an Flächen mit höherer Qualität ein günstiges geschätztes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Analysen von Vernetzungsprojekten verdeutlichen zudem, wie wichtig die Planung über den einzelnen Betrieb hinaus ist. [2, 3]
Vielversprechend sind kollektive Massnahmen, bei denen Landwirtschaftsbetriebe ihre Biodiversitätsförderung räumlich aufeinander abstimmen. Ihre Wirkung hängt von der Ausgestaltung, der Koordination und den Bedingungen vor Ort ab. Eine Übersicht über 96 internationale Beispiele zeigt die Vielfalt möglicher Ansätze. [4]
Digitale Methoden könnten künftig helfen, Biodiversitätsleistungen genauer zu messen und Förderinstrumente gezielter auszurichten. Ob dieses Potenzial genutzt wird, hängt von der konkreten Umsetzung ab. [5]
Für private Mittel liegt ein möglicher Hebel darin, Ansätze mit Wirkung über das einzelne Projekt hinaus zu entwickeln und zu erproben: etwa ergebnisorientierte Zahlungen, bessere Methoden zur Wirkungsmessung oder die Koordination von Massnahmen auf Landschaftsebene. Voraussetzung ist, dass ein Vorhaben zusätzliche Biodiversitätsleistungen erbringt und sich bei Erfolg in bestehende Förderprogramme oder grössere Projekte übertragen lässt.
Weiterführende Arbeiten
1. Sponagel C et al. [Entwicklungspfade für die Biodiversität in Agrarlandschaften in Deutschland](https://agrarpolitik-blog.com/2025/07/28/entwicklungspfade-fur-die-biodiversitat-in-agrarlandschaften-in-deutschland-wie-konnen-wir-den-artenverlust-stoppen). Beitrag zu einer Studie in People and Nature, 2025. https://agrarpolitik-blog.com/2025/07/28/entwicklungspfade-fur-die-biodiversitat-in-agrarlandschaften-in-deutschland-wie-konnen-wir-den-artenverlust-stoppen
2. Wuepper D, Huber R. Investitionen in Biodiversitätsförderflächen lohnen sich. Beitrag zu einer Studie im American Journal of Agricultural Economics, 2022.
3. Huber R et al. Opportunitätskosten und Biodiversitätspotenzial in Vernetzungsprojekten, 2021.
4. Huber R et al. Wie sollen kollektive Agrarumweltmassnahmen ausgestaltet sein? Wissenschaftliche Erkenntnisse aus 96 internationalen Beispielen, 2026.
5. Ehlers M-H, Huber R, Finger R.
Agrarpolitik im Zeitalter der Digitalisierung.
Beitrag zu einer Studie in Food Policy, 2021.
6. Huber R. Einführung in die Schweizer Agrarpolitik. vdf Hochschulverlag, 2022. ISBN 978-3-7281-4058-6.
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